Wissenswertes

Neuigkeiten

Welche Phobien können mit Hypnose behandelt werden?

Welche Phobien können mit Hypnose behandelt werden?

Eine kleine Spinne sitzt an der Wand – und plötzlich schlägt das Herz schneller.

Das Flugzeug beginnt zu rollen – und die Hände werden feucht.

Die Fahrstuhltür schließt sich – und sofort entsteht der Gedanke:

„Ich muss hier raus.“

Für Außenstehende ist die Reaktion manchmal schwer nachvollziehbar. Der Betroffene weiß häufig sogar selbst:

„Eigentlich ist die Situation nicht gefährlich.“

Und trotzdem reagiert der Körper mit massiver Angst.

Genau das macht Phobien so interessant: Verstand und automatische Angstreaktion können vollkommen unterschiedliche Bewertungen derselben Situation liefern.

Deshalb stellt sich die Frage:

Welche Phobien können mit Hypnose behandelt werden?

Die kurze Antwort lautet:

Hypnose kann bei verschiedenen phobischen Ängsten als ergänzendes psychotherapeutisches Verfahren eingesetzt werden. Besonders interessant ist sie dort, wo automatische Angstreaktionen, belastende innere Bilder und Vermeidungsverhalten eine wichtige Rolle spielen.

Dabei ist allerdings wichtig: Eine Phobie sollte nicht einfach „weggezaubert“ werden. Bei behandlungsbedürftigen Angststörungen gehören insbesondere verhaltenstherapeutische Verfahren mit Exposition zu den etablierten Behandlungsansätzen. Hypnose kann diese Arbeit je nach individueller Situation ergänzen und vorbereiten.

Was ist überhaupt eine Phobie?

Fast jeder Mensch hat Dinge, die ihm unangenehm sind.

Nicht jeder, der Spinnen nicht mag, besitzt deshalb eine Spinnenphobie.

Nicht jeder, der beim Start eines Flugzeugs nervös wird, leidet unter Flugangst.

Von einer spezifischen Phobie spricht man vereinfacht gesagt dann, wenn eine ausgeprägte Angst vor bestimmten Objekten oder Situationen besteht und diese Angst zu erheblicher Belastung oder Vermeidung führt.

Typisch ist beispielsweise:

Auslöser → starke Angst → Flucht oder Vermeidung → kurzfristige Erleichterung

Und genau diese Erleichterung kann langfristig zum Problem werden.

Warum verschwinden Phobien durch Vermeidung häufig nicht?

Stellen Sie sich einen Menschen mit Fahrstuhlangst vor.

Er betritt einen Fahrstuhl.

Die Tür schließt sich.

Das Herz beginnt zu rasen.

Er steigt sofort wieder aus und nimmt die Treppe.

Was passiert?

Zunächst fühlt er sich besser.

Sein Gehirn kann daraus jedoch lernen:

„Gut, dass wir ausgestiegen sind. Der Fahrstuhl war offenbar gefährlich.“

Beim nächsten Mal wird die Angst möglicherweise noch schneller aktiviert.

So entsteht ein Kreislauf:

Angst → Vermeidung → Erleichterung → Bestätigung der vermeintlichen Gefahr → stärkere Angst

Deshalb besteht eine wirksame Behandlung von Phobien häufig gerade darin, neue Erfahrungen mit dem gefürchteten Auslöser zu ermöglichen.

Wo setzt Hypnose bei Phobien an?

Hypnose arbeitet unter anderem mit:

  • fokussierter Aufmerksamkeit,

  • inneren Bildern,

  • Suggestionen,

  • Körperwahrnehmung,

  • Entspannung,

  • mentaler Vorstellung,

  • Aufmerksamkeitssteuerung

  • und der Aktivierung hilfreicher Ressourcen.

Dabei kann beispielsweise eine gefürchtete Situation zunächst in der Vorstellung erlebt werden.

Das Ziel lautet nicht:

„Ich darf nie wieder Angst haben.“

Sondern eher:

„Mein Körper kann lernen, diesen Auslöser anders zu bewerten.“

Welche Phobien können mit Hypnose bearbeitet werden?

Grundsätzlich kann hypnotische Arbeit bei sehr unterschiedlichen Ängsten eingesetzt werden. Wie sinnvoll sie ist, hängt jedoch von der konkreten Phobie, ihrer Stärke, möglichen Begleiterkrankungen und der Qualifikation des Behandlers ab.

Schauen wir uns die häufigsten Beispiele genauer an.

1. Spinnenphobie – Arachnophobie

Die Angst vor Spinnen gehört zu den bekanntesten spezifischen Phobien.

Schon ein Foto kann bei manchen Betroffenen deutliche Angst auslösen.

Eine echte Spinne kann Reaktionen hervorrufen wie:

  • Herzrasen,

  • Schwitzen,

  • Zittern,

  • Fluchtimpuls,

  • Ekel,

  • Panik.

Interessanterweise wissen viele Betroffene:

„Diese kleine Spinne kann mir nichts tun.“

Doch das Wissen verändert die körperliche Reaktion nicht automatisch.

Hypnose kann genutzt werden, um die Reaktion zunächst in der Vorstellung zu bearbeiten und eine schrittweise Annäherung vorzubereiten.

2. Flugangst – Aviophobie

Flugangst kann sehr unterschiedliche Komponenten enthalten.

Manche Menschen fürchten einen Absturz.

Andere Turbulenzen.

Wieder andere haben Angst davor, im Flugzeug eine Panikattacke zu bekommen.

Auch Kontrollverlust oder das Gefühl, nicht aussteigen zu können, können eine Rolle spielen.

Hypnose kann hier beispielsweise eingesetzt werden, um den gesamten Flug mental zu simulieren:

Flughafen → Boarding → Start → Reiseflug → Turbulenzen → Landung

Dabei wird ein neuer innerer Ablauf trainiert:

„Ich kann Aufregung erleben und trotzdem fliegen.“

3. Höhenangst – Akrophobie

Eine Aussichtsplattform, ein Balkon, eine Brücke oder eine Bergbahn kann für Menschen mit Höhenangst zur enormen Herausforderung werden.

Der Körper reagiert möglicherweise mit:

  • Schwindel,

  • weichen Knien,

  • Herzklopfen,

  • Unsicherheit,

  • starkem Fluchtimpuls.

Hypnose kann helfen, solche Situationen zunächst mental zu erleben und neue Reaktionsweisen aufzubauen.

Die reale schrittweise Auseinandersetzung mit Höhe kann anschließend eine wichtige Rolle spielen.

4. Platzangst beziehungsweise Klaustrophobie

Fahrstühle, Tunnel, MRT-Geräte, Flugzeuge oder kleine Räume können intensive Angst auslösen.

Typische Gedanken sind:

„Ich komme hier nicht raus.“

„Ich bekomme keine Luft.“

„Was passiert, wenn ich Panik bekomme?“

„Ich bin eingeschlossen.“

Hypnose kann insbesondere beim Umgang mit dem Gefühl des Kontrollverlustes und den daraus entstehenden körperlichen Reaktionen eingesetzt werden.

5. Zahnarztangst

Die Angst vor Zahnbehandlungen kann von leichter Nervosität bis zu jahrelanger Vermeidung reichen.

Gefürchtet werden beispielsweise:

  • Spritzen,

  • Schmerzen,

  • Bohrgeräusche,

  • Würgereiz,

  • Kontrollverlust,

  • schlechte Erfahrungen aus der Vergangenheit.

Hypnose wird in der Zahnmedizin unter anderem zur Entspannung, Aufmerksamkeitslenkung sowie unterstützend beim Umgang mit Angst und Schmerzen eingesetzt.

6. Spritzenphobie

Für manche Menschen ist bereits der Anblick einer Spritze extrem belastend.

Das kann problematisch werden, wenn notwendige:

  • Impfungen,

  • Blutabnahmen,

  • Infusionen,

  • medizinische Untersuchungen

vermieden werden.

Bei Blut-, Verletzungs- und Spritzenphobien kann zusätzlich eine besondere körperliche Reaktion auftreten: Manche Betroffene neigen zu einem Blutdruckabfall und Ohnmacht.

Deshalb sollte die Behandlung fachgerecht erfolgen. Neben psychotherapeutischen Verfahren können spezielle körperliche Techniken notwendig sein.

Hypnose kann hier gegebenenfalls ergänzend eingesetzt werden.

7. Angst vor Blut – Hämatophobie

Der Anblick von Blut kann bei manchen Menschen starke Angst, Übelkeit oder Kreislaufreaktionen hervorrufen.

Auch hier ist es wichtig, nicht einfach nur Entspannung zu trainieren.

Bei einer Neigung zu Ohnmacht können spezielle Verfahren zur Stabilisierung des Kreislaufs sinnvoll sein.

Hypnose kann Bestandteil eines umfassenderen therapeutischen Vorgehens sein, sollte aber individuell angepasst werden.

8. Tierphobien

Nicht nur Spinnen können phobische Reaktionen auslösen.

Möglich sind beispielsweise Ängste vor:

  • Hunden,

  • Schlangen,

  • Mäusen,

  • Ratten,

  • Vögeln,

  • Insekten,

  • Wespen,

  • Bienen,

  • Pferden.

Bei Tierphobien kann eine schrittweise Annäherung besonders gut strukturiert werden.

Zum Beispiel:

an das Tier denken

ein Bild betrachten

ein Video ansehen

das Tier aus größerer Entfernung sehen

sich weiter annähern

Hypnose kann solche Schritte mental vorbereiten.

9. Angst vor Hunden – Kynophobie

Eine Hundephobie kann besonders einschränkend sein, weil Hunde im Alltag häufig vorkommen.

Der Betroffene beobachtet möglicherweise bereits beim Spazierengehen permanent die Umgebung.

„Ist irgendwo ein Hund?“

Wird einer entdeckt, wechselt er die Straßenseite.

Dadurch kann das Gehirn immer wieder lernen:

„Hund = Gefahr.“

Eine Behandlung kann darauf abzielen, wieder realistisch zwischen tatsächlicher Gefahr und automatischer Angstreaktion unterscheiden zu lernen.

10. Angst vor Schlangen – Ophidiophobie

In Ländern, in denen Schlangen im Alltag kaum vorkommen, kann diese Angst zunächst wenig einschränkend wirken.

Problematisch wird sie beispielsweise bei:

  • Reisen,

  • Zoobesuchen,

  • Naturdokumentationen

  • oder sogar Bildern.

Auch hier kann Hypnose verwendet werden, um die innere Reaktion auf den Auslöser schrittweise zu verändern.

11. Angst vor Insekten

Wespen, Bienen, Käfer oder andere Insekten können bei manchen Menschen extreme Reaktionen hervorrufen.

Wichtig ist hier die Unterscheidung zwischen realistischer Vorsicht und phobischer Angst.

Wer eine schwere Allergie gegen bestimmte Insektenstiche hat, besitzt einen realen medizinischen Grund für besondere Vorsicht.

Das sollte nicht einfach „weghypnotisiert“ werden.

12. Angst vor Gewittern – Astraphobie

Gewitter können insbesondere bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen starke Angst auslösen.

Blitze und Donner werden dabei als extreme Bedrohung erlebt.

Hypnose kann beispielsweise mit Vorstellungen von Sicherheit, einer realistischen Einordnung der Situation und dem Umgang mit Geräuschen arbeiten.

Natürlich sollte tatsächliches Sicherheitsverhalten bei Unwettern nicht reduziert werden.

13. Angst vor Wasser

Die Angst vor tiefem Wasser, Schwimmen oder offenen Gewässern kann unterschiedliche Ursachen haben.

Vielleicht gab es früher ein belastendes Erlebnis.

Vielleicht besteht Angst davor:

  • unterzugehen,

  • keine Kontrolle zu haben,

  • den Boden nicht zu sehen,

  • nicht rechtzeitig ans Ufer zu gelangen.

Hypnose kann die mentale Vorbereitung unterstützen.

Die praktische Gewöhnung an Wasser sollte jedoch unter sicheren Bedingungen erfolgen.

14. Angst vor Autofahren

Manche Menschen entwickeln nach einem Unfall Angst vor dem Autofahren.

Andere fürchten:

  • Autobahnen,

  • Tunnel,

  • Brücken,

  • hohe Geschwindigkeiten,

  • Staus,

  • Panikattacken am Steuer.

Hypnose kann genutzt werden, um Fahrsituationen mental vorzubereiten.

Die tatsächliche Fahrpraxis bleibt allerdings wichtig.

Je nach Ausprägung können therapeutisch begleitete Fahrübungen sinnvoll sein.

15. Angst vor Tunneln

Tunnelangst ist häufig mit Klaustrophobie oder Panikangst verbunden.

Typisch ist der Gedanke:

„Was passiert, wenn ich hier nicht rauskomme?“

Besonders beim Autofahren kann daraus ein starkes Sicherheitsproblem entstehen.

Eine Behandlung sollte deshalb darauf ausgerichtet sein, Angst zu reduzieren, ohne die Aufmerksamkeit vom sicheren Fahren abzulenken.

16. Angst vor Brücken

Manche Menschen können problemlos Auto fahren – bis eine hohe oder lange Brücke auftaucht.

Dann entstehen plötzlich:

  • Schwindel,

  • Herzrasen,

  • Panik,

  • Angst vor Kontrollverlust.

Hypnose kann solche Situationen zunächst in der Vorstellung vorbereiten.

Anschließend können reale Übungen schrittweise folgen.

17. Angst vor öffentlichen Verkehrsmitteln

Busse und Bahnen können insbesondere dann Angst auslösen, wenn jemand befürchtet:

„Ich kann nicht jederzeit aussteigen.“

Häufig steht dahinter nicht der Bus selbst, sondern die Angst vor einer Panikattacke.

In diesem Fall sollte geprüft werden, ob möglicherweise eine Panikstörung oder Agoraphobie vorliegt.

Dann ist eine umfassendere Behandlung sinnvoll.

18. Angst vor Menschenmengen

Einkaufszentren, Konzerte, Weihnachtsmärkte oder volle Bahnhöfe können intensive Angst auslösen.

Auch hier muss unterschieden werden:

Geht es um Menschen?

Um Enge?

Um die Möglichkeit, nicht fliehen zu können?

Oder um die Angst vor einer Panikattacke?

Die genaue Analyse entscheidet über die Behandlung.

19. Angst vor dem Erbrechen – Emetophobie

Emetophobie kann den Alltag erheblich einschränken.

Betroffene vermeiden möglicherweise:

  • bestimmte Lebensmittel,

  • Restaurants,

  • Reisen,

  • Alkohol,

  • öffentliche Verkehrsmittel,

  • Menschen, die krank sein könnten.

Manche kontrollieren Lebensmittel extrem oder beobachten ständig ihren Magen.

Hypnose kann hier gegebenenfalls ergänzend eingesetzt werden. Aufgrund der häufig komplexen Vermeidungs- und Kontrollmechanismen sollte eine ausgeprägte Emetophobie fachgerecht psychotherapeutisch behandelt werden.

20. Angst vor Krankheiten

Starke Krankheitsängste können dazu führen, dass Menschen ihren Körper permanent kontrollieren.

Jede Empfindung wird analysiert.

Ein Kopfschmerz wird zum möglichen Hirntumor.

Herzklopfen zum möglichen Herzinfarkt.

Ein Hautfleck zur möglichen schweren Erkrankung.

Hier handelt es sich nicht zwangsläufig um eine klassische spezifische Phobie. Deshalb ist eine genaue diagnostische Einordnung wichtig.

Hypnose sollte medizinische Untersuchungen weder ersetzen noch dazu führen, reale Symptome zu ignorieren.

21. Angst vor Ärzten

Manche Menschen vermeiden medizinische Untersuchungen aus Angst.

Das kann gesundheitlich problematisch werden.

Hypnose kann beispielsweise eingesetzt werden, um Arztbesuche mental vorzubereiten und den Umgang mit körperlicher Anspannung zu verbessern.

Das Ziel sollte sein:

„Ich kann notwendige medizinische Versorgung wahrnehmen.“

22. Angst vor MRT-Untersuchungen

Eine MRT-Untersuchung verbindet mehrere mögliche Angstauslöser:

  • Enge,

  • Geräusche,

  • Stillliegen,

  • Kontrollverlust,

  • Sorge vor dem Untersuchungsergebnis.

Hypnose oder Selbsthypnose kann dabei helfen, die Aufmerksamkeit während der Untersuchung gezielt zu lenken.

Ob sie während einer konkreten Untersuchung eingesetzt werden kann, sollte mit dem medizinischen Personal abgestimmt werden.

23. Angst vor dem Sprechen vor Menschen

Vorträge, Präsentationen oder Reden können massive Angst auslösen.

Der Betroffene denkt:

„Ich werde mich blamieren.“

„Meine Stimme wird zittern.“

„Ich bekomme einen Blackout.“

„Alle werden sehen, wie nervös ich bin.“

Hier kann Hypnose genutzt werden, um die Situation mental zu trainieren und den Umgang mit Nervosität zu verändern.

Bei ausgeprägter sozialer Angst sollte allerdings geprüft werden, ob eine soziale Angststörung vorliegt.

24. Prüfungsangst

Auch Prüfungsangst kann phobische Züge annehmen, ist diagnostisch aber nicht einfach mit jeder spezifischen Phobie gleichzusetzen.

Hypnose kann insbesondere eingesetzt werden, um:

  • Erwartungsangst zu reduzieren,

  • Prüfungssituationen mental vorzubereiten,

  • körperliche Aktivierung anders zu bewerten,

  • Blackout-Angst zu reduzieren

  • und Selbstvertrauen aufzubauen.

Dabei gilt:

Hypnose ersetzt das Lernen nicht.

25. Angst vor dem Fliegen, Fahren oder Reisen – wenn mehrere Ängste zusammenkommen

Manchmal sagt jemand:

„Ich habe Reiseangst.“

Bei genauerem Hinsehen können dahinter mehrere unterschiedliche Ängste stehen:

Flugzeug → Kontrollverlust

Tunnel → Enge

Autobahn → Panikattacke

Ausland → keine medizinische Hilfe

Hotel → weit weg von Zuhause

In solchen Fällen reicht es nicht, einfach eine allgemeine „Reisehypnose“ durchzuführen.

Die einzelnen Mechanismen sollten genauer betrachtet werden.

Wie wird eine Phobie mit Hypnose behandelt?

Eine mögliche Behandlung beginnt zunächst mit einer genauen Analyse.

Interessante Fragen sind:

Was löst die Angst aus?

Was befürchten Sie konkret?

Was passiert in Ihrem Körper?

Welche Gedanken entstehen?

Was tun Sie anschließend?

Welche Situationen vermeiden Sie?

Seit wann besteht die Angst?

Was könnten Sie tun, wenn die Angst Sie nicht mehr einschränken würde?

Erst danach lässt sich entscheiden, wie Hypnose sinnvoll eingesetzt werden kann.

Eine Angsthierarchie kann besonders hilfreich sein

Stellen Sie sich eine Person mit Spinnenphobie vor.

Die Angst könnte folgendermaßen aussehen:

Das Wort „Spinne“ lesen: 1/10

Cartoon einer Spinne: 2/10

Foto einer kleinen Spinne: 4/10

Video einer Spinne: 5/10

Spinne hinter Glas: 7/10

Spinne im selben Raum: 9/10

Spinne in unmittelbarer Nähe: 10/10

Eine solche Abstufung nennt man häufig Angsthierarchie.

Sie ermöglicht eine schrittweise Annäherung.

Hypnose kann einzelne Stufen zunächst mental vorbereiten.

Warum Exposition bei Phobien so wichtig ist

Bei vielen spezifischen Phobien gehört die Exposition zu den am besten untersuchten Behandlungsmethoden.

Dabei begegnet der Betroffene dem gefürchteten Auslöser unter kontrollierten Bedingungen.

Das Ziel besteht nicht darin, ihn zu erschrecken.

Das Gehirn soll vielmehr neue Erfahrungen sammeln.

Zum Beispiel:

„Ich kann neben einer Spinne stehen und die Angst geht wieder zurück.“

Oder:

„Ich kann Fahrstuhl fahren, ohne fliehen zu müssen.“

Oder:

„Ich kann auf einer Aussichtsplattform stehen und mit meiner Angst umgehen.“

Diese reale Erfahrung kann ausgesprochen wichtig sein.

Hypnose und Exposition – warum die Kombination interessant sein kann

Hypnose kann die Exposition möglicherweise vorbereiten.

Zunächst wird die Situation mental erlebt.

Danach erfolgt die reale Erfahrung.

Zum Beispiel bei Flugangst:

Hypnose: Start mental erleben.

Realität: tatsächlich fliegen.

Bei Fahrstuhlangst:

Hypnose: Fahrstuhlfahrt vorstellen.

Realität: eine Etage fahren.

Bei Spinnenphobie:

Hypnose: Vorstellung einer Spinne.

Realität: zunächst ein Foto betrachten.

So kann Schritt für Schritt gearbeitet werden.

Muss man die Ursache einer Phobie kennen?

Nicht unbedingt.

Viele Menschen möchten unbedingt herausfinden:

„Wann hat meine Phobie angefangen?“

Manchmal gibt es tatsächlich ein klares Ereignis.

Beispielsweise einen Hundebiss.

Oder einen Unfall.

Oder eine sehr unangenehme Flugerfahrung.

Manchmal gibt es jedoch keine eindeutige Erinnerung.

Für eine erfolgreiche Behandlung kann die Frage wichtiger sein:

„Was hält meine Angst heute aufrecht?“

Vorsicht bei Rückführungen und vermeintlichen Erinnerungen

Manche Hypnoseangebote versprechen, die „wahre Ursache“ einer Phobie in der Vergangenheit aufzudecken.

Hier ist Vorsicht geboten.

Das menschliche Gedächtnis ist keine Videokamera.

Erinnerungen können verändert und durch Suggestion beeinflusst werden.

Deshalb sollte eine während Hypnose auftauchende Erinnerung nicht automatisch als objektiver Beweis für ein tatsächlich so geschehenes Ereignis betrachtet werden.

Professionelle therapeutische Arbeit berücksichtigt dieses Risiko.

Kann eine Phobie nach einer Hypnosesitzung verschwinden?

Es gibt Menschen, die von sehr schnellen Veränderungen berichten.

Das bedeutet aber nicht, dass jede Phobie nach einer einzigen Sitzung verschwindet.

Die Behandlungsdauer hängt unter anderem davon ab:

  • welche Phobie vorliegt,

  • wie lange sie besteht,

  • wie stark sie ausgeprägt ist,

  • wie ausgeprägt das Vermeidungsverhalten ist,

  • ob Panikattacken auftreten,

  • ob weitere psychische Erkrankungen bestehen

  • und welches therapeutische Vorgehen gewählt wird.

Deshalb sind pauschale Versprechen wie:

„Jede Phobie verschwindet garantiert nach einer Hypnose.“

nicht seriös.

Kann Selbsthypnose bei Phobien helfen?

Selbsthypnose kann eine ergänzende Methode sein.

Sie kann beispielsweise dazu genutzt werden, sich auf eine bevorstehende Situation vorzubereiten.

Ein Mensch mit Fahrstuhlangst könnte sich zunächst vorstellen:

„Ich stehe vor dem Fahrstuhl.“

Dann:

„Die Tür öffnet sich.“

Dann:

„Ich steige ein.“

Dann:

„Die Tür schließt sich.“

Vielleicht steigt die Anspannung.

Statt sofort innerlich zu fliehen, bleibt die Person bei der Vorstellung.

„Ich darf Angst spüren.“

„Ich kann trotzdem hierbleiben.“

„Die Tür öffnet sich wieder.“

Später kann diese Erfahrung real trainiert werden.

Was Hypnose nicht tun sollte

Das Ziel einer Hypnose sollte nicht sein, jede natürliche Vorsicht zu beseitigen.

Angst hat eine Schutzfunktion.

Ein Mensch sollte beispielsweise weiterhin:

  • Abstand zu tatsächlich gefährlichen Tieren halten,

  • bei Gewitter Sicherheitsregeln beachten,

  • im Straßenverkehr vorsichtig sein,

  • medizinische Warnsignale ernst nehmen,

  • reale Gefahren angemessen einschätzen.

Das Ziel lautet deshalb nicht:

„Ich habe vor nichts mehr Angst.“

Sondern:

„Meine Angst passt wieder zur tatsächlichen Gefahr.“

Ein Selbsttest: Welche Angst bestimmt mein Leben?

Beantworten Sie für sich folgende Fragen:

1. Welches Objekt oder welche Situation löst meine Angst aus?

2. Wie stark ist die Angst von 0 bis 10?

3. Was befürchte ich konkret?

4. Welche körperlichen Symptome entstehen?

5. Was vermeide ich deshalb?

6. Wie viel Zeit investiere ich in Sicherheitsstrategien?

7. Was kann ich wegen meiner Angst nicht mehr tun?

8. Was würde ich tun, wenn die Angst deutlich geringer wäre?

Die letzte Frage ist besonders wichtig.

Denn sie zeigt, worum es eigentlich geht.

Nicht nur um weniger Angst.

Sondern um mehr Leben.

Wann sollte man professionelle Hilfe suchen?

Wenn eine Phobie den Alltag deutlich einschränkt, wichtige medizinische Behandlungen verhindert, Beruf oder Beziehungen beeinträchtigt oder immer mehr Situationen vermieden werden, sollte professionelle Unterstützung erwogen werden.

Das gilt besonders, wenn zusätzlich:

  • Panikattacken,

  • Depressionen,

  • andere Angststörungen,

  • traumatische Belastungen,

  • Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch

  • oder erhebliche psychische Beschwerden

auftreten.

Dann sollte nicht nur versucht werden, die Angst kurzfristig zu unterdrücken.

Woran erkennt man einen seriösen Hypnoseanbieter?

Bei behandlungsbedürftigen Phobien sollte man nicht nur fragen:

„Kann diese Person hypnotisieren?“

Wichtiger ist:

„Ist diese Person für die Behandlung meiner psychischen Problematik qualifiziert?“

Ein seriöser Anbieter sollte:

  • keine Heilung garantieren,

  • die Angst zunächst sorgfältig analysieren,

  • die Grenzen der Hypnose erklären,

  • etablierte Behandlungsverfahren kennen,

  • Exposition nicht grundsätzlich schlechtreden,

  • bei Bedarf medizinische oder psychotherapeutische Abklärung empfehlen

  • und keine falschen Erinnerungen suggerieren.

Welche Phobien eignen sich besonders für hypnotische Arbeit?

Besonders naheliegend erscheint hypnotisches Arbeiten bei Ängsten mit klar identifizierbaren Auslösern, weil diese gut in der Vorstellung dargestellt werden können.

Zum Beispiel:

  • Spinnen,

  • Fliegen,

  • Höhen,

  • Fahrstühle,

  • Spritzen,

  • Zahnarzt,

  • Hunde,

  • Autofahren,

  • Tunnel,

  • Brücken.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Hypnose bei diesen Ängsten automatisch die beste oder einzige Behandlung darstellt.

Entscheidend ist immer die individuelle Situation.

Der vielleicht wichtigste Gedanke bei einer Phobie

Menschen mit Phobien warten häufig darauf, dass ihre Angst verschwindet.

„Wenn ich keine Angst mehr habe, fahre ich wieder Fahrstuhl.“

„Wenn die Flugangst weg ist, buche ich einen Flug.“

„Wenn ich keine Angst mehr vor Spinnen habe, kann ich im selben Raum bleiben.“

Psychologisch kann die Reihenfolge jedoch manchmal genau andersherum sein.

Durch neue, gut vorbereitete Erfahrungen lernt das Gehirn:

„Ich kann das.“

Und dadurch verliert die Angst schrittweise an Macht.

Hypnose kann helfen, diesen Lernprozess mental vorzubereiten.

Fazit: Welche Phobien können mit Hypnose behandelt werden?

Hypnose kann bei zahlreichen phobischen Ängsten als ergänzende therapeutische Methode eingesetzt werden.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Flugangst,

  • Spinnenphobie,

  • Höhenangst,

  • Klaustrophobie,

  • Zahnarztangst,

  • Spritzenphobie,

  • Tierphobien,

  • Angst vor Autofahren,

  • Tunnelangst,

  • Brückenangst,

  • Angst vor medizinischen Untersuchungen

  • und verschiedene weitere spezifische Ängste.

Ihre besondere Stärke kann darin liegen, gefürchtete Situationen bereits in der Vorstellung erlebbar und veränderbar zu machen.

Doch Hypnose bedeutet nicht:

„Die Angst wird aus meinem Gehirn gelöscht.“

Ein sinnvolleres Ziel lautet:

„Mein Gehirn lernt eine neue Reaktion.“

Aus:

„Spinne = sofort fliehen“

kann werden:

„Ich sehe die Spinne und kann ruhig bleiben.“

Aus:

„Fahrstuhl = ich bin gefangen“

kann werden:

„Ich kann die Fahrt aushalten.“

Aus:

„Flugzeug = Katastrophe“

kann werden:

„Ich darf nervös sein und trotzdem fliegen.“

Und vielleicht ist genau das der entscheidende Punkt:

Eine erfolgreiche Behandlung muss nicht dafür sorgen, dass Sie nie wieder Angst empfinden.

Sie sollte Ihnen dabei helfen, dass die Angst nicht mehr entscheidet,

welche Orte Sie besuchen, welche Reisen Sie unternehmen, welche medizinischen Behandlungen Sie wahrnehmen und wie frei Sie Ihr Leben gestalten können.

 

Über den Autor

Stephen Lumma

Hypnosepraxis Stephen Lumma

  Ehnernstraße 167a, 26121 Oldenburg, Deutschland

Fachgebiete
  • Probleme vor Prüfungen, Flügen, Höhe, Mäusen, Spinnen, usw.
  • Lerntherapie und Prüfungsvorbereitung
  • Lern und Prüfungsvorbereitung
  • Gewichtsreduktion mit Hypnose
  • Entspannungshypnosen
  • Burn-Out Prophylaxe
  • Blockadenlösung
  • Rauchentwöhnung
  • Schmerzbewältigung
  • Traumreisen
Heilerlaubnis

Nein

Sie möchten Mitglied werden?

Sie arbeiten als Coach oder Therapeut – werden Sie Mitglied im Berufsverband der Hypnosetherapeuten e.V.

Jetzt Antrag ausfüllen
Sie suchen einen Coach oder Therapeuten?

Sie sind auf der Suche nach Unterstützung in Ihrem Umkreis – durchsuchen Sie unsere Mitgliederprofile.

Coaches & Therapeuten finden