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Was bewirkt Hypnose wirklich?

Hypnotische Trance ist kein Schlaf, sondern ein Zustand fokussierter Aufmerksamkeit auf unseren inneren Dialog. Wir konzentrieren uns auf Empfindungen, Erinnerungen und Erfahrungen, etwas, das im Schlaf nicht möglich wäre, denn Schlaf ist ungerichtet. Schon als Kinder entwickeln wir diese Fähigkeit, immer dann, wenn wir tief versunken in unser Spiel sind. In einer therapeutischen Hypnose sind wir zwar entspannt, aber eben nicht passiv. Die Gedanken werden gezielt auf das Problem gerichtet, mit dem mein Patient zu mir kommt.

Dann gibt es da den Mythos vom Kontrollverlust. Er stammt aus Show Hypnosen, die reines Entertainment sind und mit therapeutischer Hypnose nichts zu tun haben. Die Menschen auf der Bühne machen mit, weil sie mitmachen wollen. Meine Patienten können die Hypnose jederzeit unterbrechen und zum Beispiel auf die Toilette gehen, um sich danach wieder in den hypnotischen Zustand zu begeben. Wir besitzen einen kritischen Faktor im Gehirn, der schon im Kindesalter angelegt wird und uns schützt. Er ist auch während der Hypnose aktiv. Deshalb ist man weder hilflos noch verliert man die Kontrolle.

Warum funktioniert Hypnose und was passiert im Gehirn?

In der Hypnose haben wir den direkten Draht zum Unterbewusstsein, unserer Schaltzentrale für Emotionen und Verhaltensmuster. Unser Verstand, der uns bei Veränderungen häufig im Weg steht, tritt in den Hintergrund. Dafür sorgen wir im Vorgespräch, damit alle Fragen, die uns in der Trance stören könnten, schon beantwortet sind. So kann das Unterbewusstsein das zum Vorschein bringen, was dem Patienten auf der Seele liegt. Im Vorgespräch erarbeiten wir außerdem eine Wunschvorstellung, die den kritischen Faktor beruhigt und neue, positive Veränderungen durchlässt.

Wissenschaftlich ist Hypnose in Deutschland seit 2006 als Therapieform zugelassen. Moderne Gehirnscans zeigen, dass sich die Aktivität in bestimmten Bereichen des Gehirns verändert, wenn Trancetiefen erreicht werden. Das Konzept der Neuroplastizität kommt uns hier entgegen: Das Gehirn bildet neue neuronale Netzwerke, wenn es neue Fähigkeiten erwirbt, nicht nur körperliche wie Fahrradfahren, sondern auch veränderte Denkmuster. Da unser Gehirn ökonomisch arbeitet und ungenutzte Verbindungen abbaut, können wir in der Hypnose neue, bessere Wege einschlagen, die sich richtig gut anfühlen.

Suggestionen sind dabei keine allgemeinen Affirmationen, sondern maßgeschneiderte Vorschläge, die genau zu meinem jeweiligen Patienten passen müssen. Das Unterbewusstsein lehnt ab, was nicht realistisch ist. Deshalb wird jede Suggestion daraufhin überprüft, ob sie angenommen werden kann. Jede Sitzung ist einzigartig, auch wenn die Probleme ähnlich klingen. Wenn eine Suggestion wie angegossen sitzt, entfaltet sie ihre Wirkung fast unbemerkt im Hintergrund.

Wie findet Hypnose die Ursache eines Problems und was hat die Kindheit damit zu tun?

Meine Patienten kommen mit ganz unterschiedlichen Symptomen: Ängste, Schlaflosigkeit, Depressionen, Traumata oder Prüfungsangst. Zuerst klären wir im Anamnesegespräch, worum es eigentlich geht. Dann suchen wir nach der Ursache. Die liegt häufig in der Vergangenheit, nicht selten in der Kindheit. In der Hypnose gehen wir zurück zu dem Zeitpunkt, an dem das Problem zum ersten Mal auftauchte und nicht verarbeitet werden konnte. Eine in der Vergangenheit liegende Situation wird angstfrei vergegenwärtigt und kann so aufgelöst werden. Eine reine Symptombehandlung, wie das bloße Vermeiden von Angstsituationen, führt nicht zum Ziel, weil die Ursache bestehen bleibt. Wir packen das Problem an der Wurzel an.

Unsere Glaubenssätze sind die ersten fundamentalen Programmierungen im Unterbewusstsein, geprägt in der Kindheit durch Eltern und Lehrer. Ein negativer Glaubenssatz wie „Du kannst das nicht" kann ein Leben lang unter Selbstzweifeln leiden lassen. Viele meiner Patienten kämpfen genau damit. In der Trance kann der Patient erkennen, dass ein solcher Satz eine Lüge ist, und das Unterbewusstsein kann ihn löschen. Das ist ein großer Schritt in die richtige Richtung.

Die Hauptsäule dieser Arbeit ist die Regression, meist eine Altersregression in die Zeit zwischen vier und zehn Jahren, in der negative Erlebnisse besonders tief eingeprägt werden. In der Trance holen wir das Erlebnis so hoch, dass der Patient damit umgehen kann. Das Vertrauensverhältnis garantiert, dass die Vergegenwärtigung keine neuerliche traumatische Erfahrung ist. Der Patient ist erwachsen und reifer und kann seine Lebenserfahrung in die alte Situation einfließen lassen, sie neu bewerten und endlich verarbeiten. Wir verdrängen nichts und decken nichts zu, wir machen Unverarbeitetes verarbeitbar.

Ein weiterer wichtiger Teil der Sitzung ist das Herausarbeiten innerer Anteile und Konflikte. Meinen Patienten ist oft gar nicht klar, in welcher Zwickmühle sie sich befinden. Das Unterbewusstsein besteht aus vielen Facetten, vergleichbar mit den Spiegelstückchen einer Discokugel. Wenn wir uns spezifisch um die einzelnen Facetten kümmern, entsteht Ordnung und Klarheit, und der Patient weiß, was er als nächstes tun muss.

Manchmal sitzen uns Emotionen so direkt auf der Brust, dass wir nicht mehr klar denken können. Hier hilft das Konzept der Dissoziation: Das Unterbewusstsein baut emotionale Distanz auf, sodass wir wieder einen klaren Gedanken fassen können. Das ist keine Lösung, aber ein therapeutisches Werkzeug, um wieder Zugriff auf eine andere Gefühlsebene zu bekommen.

Für mich immer wieder erstaunlich ist die Arbeit mit ideomotorischen Fingersignalen. Wir verabreden vorher, dass der rechte und der linke Zeigefinger jeweils für Ja oder Nein stehen. So kann ich in der Trance Fragen stellen, die direkt aus dem Unterbewusstsein beantwortet werden, nonverbal, ohne Worte. Ideal für Patienten, denen die Worte fehlen.

Kann sich jeder hypnotisieren lassen und funktioniert auch Selbsthypnose?

Auf die Frage „Bin ich hypnotisierbar?" antworte ich immer: Jeder Mensch ist hypnotisierbar, denn wir bringen diese Fähigkeit mit. Aber ich kann niemanden hypnotisieren, der das nicht möchte, der Angst vor Hypnose hat oder der keine Veränderung will. Der Wille, mitzuarbeiten, ist essenziell. Voraussetzung ist, dass mein Gegenüber mich versteht und mir geistig folgen kann, deswegen gibt es eine Altersbeschränkung von etwa vier Jahren, nach oben hin keine Grenze.

Selbsthypnose ist ein wunderbares Werkzeug für den Alltag. Sie ist sofort und überall einsetzbar. Wer regelmäßig übt, kann sogar in einem überfüllten Zug innerhalb von zwei Sekunden in tiefe Entspannung versinken. Meine Patienten bekommen sie beigebracht, zum Beispiel gegen Stress oder Schlaflosigkeit.

Generell ist die Arbeit mit dem Unterbewusstsein nachhaltiger, als wenn wir nur über den Willen gehen. Der Wille ist Ausdruck des Verstandes und hat viel weniger Macht als unsere Emotionen. Wer sein Unterbewusstsein nicht mit ins Boot holt, wird scheitern, wie bei der alljährlichen Diät, die am Ende immer wieder aufgegeben wird.

Hypnose ist eine Kurzzeittherapie. Da wir die Ursache suchen und bearbeiten, ist die Auflösung relativ kurzfristig machbar. Häufig entsteht ein Dominoeffekt: Wird ein tief verwurzeltes Problem aufgelöst, lösen sich damit verbundene kleinere Probleme fast automatisch mit auf.

Der Erfolg einer Sitzung hängt von zwei Dingen ab: Der Patient muss vollstes Vertrauen haben, und der Therapeut muss eine Verbindung aufbauen können. Hypnose ist ein Spiel, das zwei Leute spielen müssen. Deshalb bestehe ich bei Minderjährigen darauf, mit ihnen selbst zu sprechen, ich kann keine Hypnose durchführen, die der junge Patient nicht möchte.

Wobei kann Hypnose eingesetzt werden?

Hypnose ist überall dort einsetzbar, wo uns negative Emotionen belasten. Die Anwendungsbereiche umfassen unter anderem Ängste und Angststörungen, Schlafstörungen, Stress und Burnout, chronische Schmerzen, Depressionen, Allergien, Kopfschmerz und Migräne, Minderwertigkeitsgefühle, Traumata, Beziehungsprobleme, Trauer und Verlust, chronische Darmerkrankungen, Wechseljahrsbeschwerden, Mobbing sowie Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Psoriasis.

Woran erkenne ich einen seriösen Hypnosetherapeuten?

Die Grundlage sollte eine fundierte Hypnoseausbildung sein. Ein Blick auf die Ausbildung, meist auf der „über mich" Seite, bringt schnell Klarheit. Ein guter Therapeut bildet sich weiter und ist up to date.
Sympathie ist wichtig für die Effektivität einer Sitzung, also folgen Sie auch dem Bauchgefühl. Ein persönliches Telefongespräch kann den endgültigen Ausschlag geben. 

Mehr Infos zu diesem und anderen Themen finden Sie auf meiner Webseite:
Sabine Brüß

Über den Autor

Sabine Brüß

Praxis für Hypnose und Naturheilkunde

  Am Baumberger Hof 1, 48161 Münster, Deutschland

Fachgebiete
  • ursachenorientierte Hypnose
  • Ängste
  • Traumata
  • Schlafstörungen
  • Depressionen
  • SIBO
  • Reizdarm
  • Naturheilkunde
  • Darmsanierung
  • Gewichtsreduktion
  • Ernährung 40+
Heilerlaubnis

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